Organisatorische Ambidextrie – oder wie die meisten es nennen: Was?

Organisatorische Ambidextrie – Der Ursprung

Den Begriff der Organisatorischen Ambidextrie prägte bereits 1976 der amerikanische Wissenschaftler Duncan. In seinem Artikel „The Ambidextrous organization: Designing Dual Structures for Innovation“ verwendete er erstmalig den Begriff Ambidextrie in einem nicht medizinischen Kontext. Abgeleitet aus dem Lateinischen heißt Ambidextrie sinngemäß übersetzt „Beidhändigkeit“. Seine These: Ein Unternehmen kann nur langfristig erfolgreich sein, wenn ihm die richtige Balance zwischen Exploitation und Exploration gelingt. Einem Unternehmen muss demnach rechtzeitig gelingen zwischen beiden Phasen umzuschalten. Dabei versteht man unter Exploitation die Erweiterung und Verbesserung bestehenden Wissens und Exploration ist die Erlangung neuen Wissens. In die heutige Zeit übersetzt könnte man die Begriffe mit Optimierung oder Verbesserung und im weitesten Sinne mit Innovation übersetzen.

Seit Duncans Aufsatz blieb es einige Jahre eher ruhig. So richtig in Schwung  kam die Ambidextrie Forschung Mitte der 90er Jahre.  O’Reilly und Tushmann untersuchten in ihrem Artikel von 1996 die Entwicklung der Halbleiterindustrie beginnend 1955 bis 1995. Sie stellten fest, dass innerhalb von 20 Jahren acht der Top 10 Unternehmen vom Markt verschwunden waren. Diesen Unternehmen war es nicht gelungen den technologischen Wandel zu begleiten. Zusammenfassend kamen sie zu der Schlussfolgerung „Managers must be prepared to cannibalize their own business at times of industry transition.” Oder anders ausgedrückt, sie konnten der beste und preisgünstigste Hersteller von Videokassetten gewesen sein, als die DVD/ Blu-Ray kam waren Sie weg vom Markt. Alle die sich jetzt fragen was Videokassetten sind, quod erat demonstrandum. Solche gravierenden Entwicklungen werden häufig auch als disruptive Innovationen bezeichnet.

Entwicklung in Deutschland

Während in der Forschung das Thema seit den 90er Jahren in allen Disziplinen fortgeführt wurde, sucht man in deutscher Managementliteratur erfolglos danach. In den Datenbanken einschlägiger Managermagazine oder Wirtschaftszeitungen, stößt man lediglich auf 2-3 kurze Artikel. Doch nun scheint das Thema langsam fahrt aufzunehmen. Eine große deutsche Unternehmensberatung nimmt das Ambidextrie Denkmodell auf Ihre Agenda. Es ist eine Modifikation der verschiedensten wissenschaftlichen Ambidextrie-Ansätze in einer beratungstypischen 4-Felder-Matrix. Dabei werden Organisations-Design und die Rolle der Mitarbeiter in solch einer Organisation zueinander in Relation gebracht. Es soll durch das Denkmodell der Transformationsprozess hin zu einer digitalen und innovativen Unternehmenskultur erleichtert werden. Im Kern enthält dieser Ansatz wesentliche Elemente der wissenschaftlichen Ausarbeitung der letzten Jahrzehnte und versucht diese auf ein praxistaugliches Konzept zu übertragen. Ein Schritt in die richtige Richtung!

Das Thema der Ambidextrie lässt sich auf verschiedenen Ebenen einer Unternehmung diskutieren. Für meine eigene Arbeit stellen sich die folgenden Fragen:

Wie lässt sich die Fähigkeit Ihrer Mitarbeiter zur Exploitation und Exploration verbessern? Welche Formen der Arbeitsorganisation und Zusammenarbeit sind dabei besonders förderlich? Wie können neue Arbeitswelten die Fähigkeit zur Exploitation und Exploration beeinflussen? – Lassen Sie uns dazu in Austausch treten. #Promotion #Organisatorische Ambidextrie #Arbeitswelt